Wettbewerbsrepertoire - Komponistinnen (6)

Mit Pauline Viardot Garcìa beenden wir unsere kleine Reihe mit den Biografien der Komponistinnen, die uns nächste Woche im Wettbewerb begegnen werden. Nun sind wir auf die vielen schönen Lieder gespannt, die diese sechs Komponistinnen geschenkt haben! Amy Beach, Clara Schuman, Ingeborg von Bronsart und Pauline Viardort sind bereits in der 1. Runde mit Liedern vertreten.  

 

Pauline Garcìa (1821-1910) wurde in Paris als Tochter spanischer Eltern geboren, die beide selbst Sänger waren. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm zunächst die Mutter die musikalische Ausbildung der Elfjährigen. Neben Kompositionsunterricht erhielt Pauline bei Franz Liszt Klavierunterricht, konzentrierte sich aber nach dem Tod ihrer Schwester María de la Felicidad Malibran (1808-36) auf den Gesang. Im Alter von nur sechzehn Jahren debütierte Pauline in Brüssel bei einem Konzert ihres Schwagers Charles-Auguste Bériots, einem namhaften Geiger. Ihr drei Oktaven umfassender Ambitus und ihre große Musikalität versetzte das Publikum in Staunen, sodass sie ein Jahr später eine Europa-Tournee machte, die die Mezzosopranistin unter anderem nach Leipzig führte, wo sie Clara Wieck und Robert Schumann begegnete. Schumann veröffentlichte eines ihrer Lieder in der Neuen Zeitschrift für Musik und widmete ihr seine späteren Heine-Lieder op. 24. Wie ihre berühmte Schwester gab auch Pauline ihr Operndebüt als Desdemona in Gioachino Rossinis Otello 1839 in London. Kurz darauf erhielt sie ein Engagement am Théâtre Italien in Paris, wo sie mit anderen Rossini-Partien zu hören war. Neben Alfred de Musset und George Sand zählte auch Hector Berlioz zu ihren Bewunderern. Wenig später heiratete Pauline den damaligen Operndirektor und Schriftsteller Louis Viardot, der für sie seinen Posten aufgab und sie bei ihrer Konzerttätigkeit unterstützte. Von 1843 bis 1846 war die Sängerin an der Oper in St. Petersburg engsgiert, wo sie als Norma - eine ihrer erfolgreichsten Rollen - zu hören war, jedoch auch in russischen Opern auftrat. Dort begegnete sie Iwan Turgenew, der sich derartig in sie verliebte, dass er sich bis zu seinem Lebensende stets in der Nähe der Familie aufhielt. Während der kommenden Jahre trat sie selten in Paris auf, nicht zuletzt da ihr Ehemann bekennender Gegner Louis Napoléons war. Die Premiere von Meyerbeers Le prophète im Jahr 1849, in der sie die Rolle der Fidès übernahm, sollte jedoch ein voller Erfolg werden. Der Komponist selbst schrieb ihr einen beträchtlichen Teil am Durchbruch der Oper zu, in der sie rund 200 Mal zu hören war. Mit 42 Jahren ließ sie das Opernleben hinter sich und zog mit ihrer Familie nach Baden-Baden, wo sie international als Lehrerin gefragt war. Mit ihren Schülern zusammen veranstaltete Pauline im kleinen privaten Opernhaus Aufführungen eigener Werke, für die Turgenev die Libretti verfasste. Mit Clara Schumann spielte sie Klavierduo und sang bei der Premiere von Brahms Alt-Rhapsodie in Baden-Baden. Nach der militärischen Niederlage Frankreichs gegen Preußen 1870 kehrte die Sängerin nach Paris zurück, wo sie ihren Lebensabend verbrachte.

In ihren Kompositionen vertonte Pauline nicht nur Texte aller Sprachen, die sie beherrschte (Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Deutsch, Russisch), sondern griff auch die landestypischen musikalischen Stile auf. Sie hinterließ ein Oeuvre von rund 250 Werken unterschiedlicher Gattungen, von denen mehr als ein Drittel Lieder und Melodien mit Texten von Musset, Turgenev, Puschkin, Goethe, Mörike u.a. darstellen. Zudem versah sie zwölf von Chopins Mazurkas mit Texten von Louis Pomey – ein Arrangement mit dem sie selbst oftmals auftrat und das beim polnischen Komponisten auf größte Zustimmung stieß.

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