Junge Begeisterung fürs Kunstlied

Ist das Kunstlied wirklich am Ende? „Eindeutig beantworten kann ich das nicht“, sagt Johannes Held. Er wird diese und andere Fragen bei der Podiumsdiskussion am Freitag, dem 26. September, um 19 Uhr mit den Jurymitgliedern des Internationalen Wettbewerbs für Liedkunst 2014 diskutieren. Aber er tut auf jeden Fall einiges dafür, dass es am Leben bleibt. Der 31-Jährige  ist Initiator und künstlerischer Leiter von „Der Zwerg“ – Deutschlands erstem und einzigem Festival für das Kunstlied.

„Das Lied ist eine wichtige und definierende Kunstform für Europa und Deutschland“, so Johannes Held.  „Es stiftet einfach viel Identität.“ Im Alltag ist das Kunstlied allerdings nur noch wenig zu finden, denn angesprochen werde von den traditionellen Liedabenden, so Held, ein überwiegend älteres Publikum.

Und genau das möchte er ändern. Held selbst ist begeistert von Kunstliedern, kann gar nicht ohne sie. „Ich will Lieder in meinem Alltag haben“, sagt der 31-Jährige. „Ich brauche sie als Ausgleich.“ Neben seiner Arbeit als Opernsänger in Oldenburg beschäftigt sich der Bariton viel mit den Kunstliedern von Franz Schubert und Robert Schumann, aber auch Johannes Brahms und Hugo Wolf. Auf seiner Homepage schreibt er: „Das Niveau der Texte, die Kraft der Musik, die Einfachheit der Mittel und die absolute Nähe zum Publikum machen für mich den Reiz dieser Gattung aus.“

Seine Begeisterung für das Kunstlied will Held auch auf andere Leute übertragen. Vor wenigen Jahren beschloss er deshalb, ein eigenes Festival für dieses Genre zu gründen. „Der Zwerg“, das seit 2012 im Zweijahresrhythmus in Sindelfingen stattfindet, soll  vor allem junge Leute ansprechen – sowohl in Bezug auf das Publikum, als auch auf die Musiker.  Das Konzept: Ein entspanntes Ambiente während der Konzerte, ein junges und frisches Design, ein spannendes, inhaltlich zusammenhängendes Programm, faire Gagen und trotzdem natürlich gute Musiker.  Es gehe allerdings nicht darum, die großen Stars auf die Bühne zu bringen. „Der Zwerg“ soll eine Plattform und damit Chance sein für junge Talente und Neuentdeckungen.

Auf die Diskussionsrunde am Freitagabend ist Johannes Held gespannt. „Da sitzen sehr erfahrene Leute. Meine Erfahrung ist im Vergleich dazu natürlich nicht so umfassend“, so der 31-Jährige. „Aber ich werde einfach über meine Begeisterung sprechen.“

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Kommentare

Sehr geehrte Frau Dr. Weidner,
am Freitag und Sonntag war ich bei den Lied-Veranstaltungen in Stuttgart. Bei Ihrer Moderation hatte ich mich gewundert, dass das Hugo Wolf - Buch von Dietrich Fischer-Dieskau noch nicht einmal erwähnt wurde. Das sind immerhin 558 Seiten, die der doch durchaus fachkundige Sänger zu Papier brachte...
Er hatte das Werk seiner Kollegin Elisabeth Schwarzkopf gewidmet, deren Ehemann ja schließlich auch ein exzellenter Hugo Wolf-Kenner war.
Gilt so ein Buch nicht als Biografie im wissenschaftlichen Sinn? Oder wie ist das?

Mit freundlichen Grüßen
Karl Georg Hart

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