Joseph Marx und Kemal Atatürk

Fast 1300 Studenten betreute der österreichische Komponist, Pianist, Musikpädagoge und Kritiker Joseph Marx an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst, an der er seit 1914 tätig war. Damit darf er wohl einer der begehrtesten Musikpädagogen des 20. Jahrhunderts genannt werden. 1882 in Graz geboren, erhielt er ersten Musikunterricht von der Mutter, später war er Schüler des Komponisten und Musiklehrers Johann Buwas. Bereits während der Schulzeit entstanden erste Kompositionen. Dennoch folgte Marx zunächst dem Wunsch des Vaters und studierte Rechtswissenschaft an der Universität Graz, ein Studium, das er bald zugunsten von Philosophie und Kunstgeschichte aufgab. Im Alter von 26 Jahren fing er erneut an zu komponieren und schuf innerhalb von vier Jahren – zwischen 1908 und 1912 fast 120 seiner insgesamt rund 150 Lieder.  

1909 promovierte Marx in Philosophie und wurde im Jahr 1914 als Professor für Musiktheorie an die Wiener Musikakademie berufen. Zuvor hatte er zwei umfangreiche Dissertationen über Klangpsychologie und das Wesen der Tonalität vorgelegt, die die Ergebnisse der eigenen, jahrelangen musikwissenschaftlichen Forschungsarbeit (basierend auf 8000 Einzelversuchen mit musikalisch unterschiedlich geschulten Testpersonen) vorstellten. 1922 wurde Marx Direktor der Akademie, die er bis 1924 leitete. Danach übte er bis 1927 das Amt des Rektors der auf seine Initiative hin gegründeten ersten Hochschule für Musik in Wien aus.

Im Jahre 1932 machte Mustafa Kemal Atatürk Marx zu seinem Berater beim westlich orientierten Aufbau des türkischen Konservatoriums, des Musikschulsystems und des Konzertwesens in der neu gegründeten Republik Türkei. Er übte diese Tätigkeit bis Ende 1933 aus, seine Nachfolger waren u.a. Paul Hindemith und Bela Bartók.

Auch als Kritiker und hochrangiger Musikfunktionär nahm er einen beträchtlichen Einfluss auf das österreichische und europäische Kulturgeschehen. Bis zu seinem Tode im Jahre 1964 war Joseph Marx Präsident und Ehrenvorsitzender vieler bedeutender Institutionen und Vereinigungen der österreichischen Musik. Der auch international angesehene Marx hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau des mitteleuropäischen und insbesondere des österreichischen Musiklebens verdient gemacht und als Vertreter Österreichs in sämtlichen Gremien der UNESCO für die Wiederherstellung der durch die NS-Zeit zerstörten internationalen Beziehungen Österreichs gesorgt.

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