3 Fragen an Brenden Gunnell

Am 22.02.2018 war Brenden Gunnell zusammen mit Marcelo Amaral um 19.30 Uhr in der Staatsgalerie mit einem außergewöhnlichen Programm zu erleben - ein Anlass für die IHWA, dem Tenor ein paar Fragen zu stellen:

 

1. Für Ihren Liederabend stehen u.a. Werke von Benjamin Britten und Richard Strauß auf dem Programm, ein eher selten aufgeführtes Repertoire. Was macht diese Musik Ihrer Meinung nach so besonders, herausragend, außergewöhnlich?

 

Schon seit ich 2002 mit meinem Gesangsstudium begonnen hatte, fühlte ich mich dem Lied-Œuvre von Benjamin Britten sehr verbunden, mehr noch als dem anderer Komponisten. Er war einer der wenigen, der es verstand, für Tenor Stimme zu komponieren. Durch seine langjährige Beziehung mit Peter Pears, Muse und Partner zugleich, fand er immer wieder Inspiration, für diese Stimmlage Neues und Interessantes auszuprobieren. Da ein Großteil seines Repertoires für Tenor und Klavier in meiner Muttersprache geschrieben ist, entdeckte ich hier für mich eine kleine Nische. Jeder Zyklus fordert Neues und Anderes von mir, seien es die Michelangelo Sonetten, Winter Words oder auch die großen Zyklen für Tenor und Orchester. Britten serviert nichts auf dem Silbertablett. Man muss seine Musik verstehen, sich intensiv mit ihr auseinandersetzen, um ihr das Besondere und Schöne zu entlocken.

Ich hatte die große Ehre, an der ersten Gesamteinspielung aller Richard Strauß-Lieder, die von Frau KS Brigitte Fassbaender organisiert wurde, teilnehmen zu dürfen. Insgesamt nahm ich 33 Lieder auf, u.a. Cäcilie, Heimliche Aufforderung, Breit' über mein Haupt und den Zyklus Krämerspiegel. Das hatte meinen Appetit auf unbekannte Strauß-Lieder angeregt, denn meistens hört man nur die berühmtesten, obwohl er so viele andere tolle Lieder schrieb. Ich sehe es als Aufgabe für uns vom Lied begeisterten Interpreten, Neues zu entdecken und dabei dem Publikum eine unbekannte Strauß-Welt zu eröffnen. Ich habe drei Lieder im Repertoire, die üblicherweise von einer Frauenstimme gesungen werden. Sie besitzen unglaublich sinnliche und verführerische Texte mit zum Teil äußerst erotischem Inhalt, die durch eine männliche Stimme eine andere Farbe bekommen.

 

2. Was sind Ihre persönlichen Herausforderungen bei der Interpretation dieser Werke?

 

Ich gebe mein Debüt mit Brittens Holy Sonnets of John Donne. Da hat man immer Achtung und Respekt vor einem Werk, vor allem als Britten-Kenner. In Bezug auf seine übliche musikalische Sprache sind sie ungeheuer schwer was den Gesangspart und die zum Teil sehr virtuose Klavierstimme betrifft. Die Texte bleiben immer wieder verschlossen und bedeckt, da John Donne ein Meister des Wortspiels war („…and my good is dead“ aus dem sechsten Sonett steht einerseits als Metapher für die Güte des Todes, andererseits für Donnes verstorbene Ehefrau Anne More, der er dieses Sonett gewidmet hat). Hier handelt es sich um Texte über den Glauben, seinen Verlust oder auch den Kampf, ihn trotz Leid und Unglück nicht zu verlieren. Bei diesem Thema im Zusammenhang mit den heldischen Gesangslinien nicht all die stimmliche und emotionale Kraft zu verbrauchen, wenn im selben Konzert noch wunderbare Lieder von Strauß und Mahler folgen, ist für mich immer wieder eine große Herausforderung.
 

3. Wann kamen Sie zum ersten Mal mit der Musik von Benjamin Britten in Berührung?

 

Ich war Student am Curtis Institute of Music in Philadelphia in meinem ersten Semester (2002) und ich habe eine Aufnahme von Peter Grimes geschenkt bekommen, interpretiert von Jon Vickers. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich die Oper angehört hatte, war ich zu Tränen gerührt, ungeheuerlich gefesselt und fast schon besessen von dieser Musik. Seitdem hat sich mein Drang diese Musik zu singen und immer wieder neu zu entdecken nie gelegt.