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Franz Schubert · Johann Baptist Mayrhofer Auf der Donau
Auf der Wellen Spiegel
Denn der Menschen Werk' sinken all',
Trauriges Gestrüppe wuchert fort,
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Franz Schubert · Friedrich von Schlegel Der Fluß
Wie rein Gesang sich windet
So fließet mir gediegen
Wo Hügel sich so gerne
So schimmern alle Wesen
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Diese beiden Gedichte sollen einen Bogen spannen über die
Donaureise der Hugo-Wolf-Akademie.
Mayrhofer benennt den Verlust von Tradition, die Vergänglichkeit des
menschlichen Tuns, die Orientierungslosigkeit angesichts
verlorengegangener Grundüberzeugungen und Werte. Wie die Wellen des
ungebändigten Flusses drohen die Zeiten mit Untergang. Das Ende ist
offen. Schlegels Gedicht dagegen zeigt nicht die Welt, sondern ihr Bild,
ein ideales Bild des ewig Wiederkehrenden, der Schönheit, einer
kindlichen Reinheit. Daß dies als eine »flücht'ge
Blüte« wahrgenommen wird, wissen wir nur zu gut. Mayrhofer
und Schlegel lebten wie wir in Bedrohung durch »Wellen und
Zeiten«. »Im kindlichen Gemüte«,
»durch milder Götter Güte«, »zur
Schönheit erlesen« können die Widrigkeiten unserer
Welt nicht aufgelöst werden. Aber »weil sie im Spiegel neu sich
selbst gefunden«, kann die Welt als eine harmonische geschaut
werden, und wie im Wasser des schimmernden Flusses spiegelt sich ihr Bild
auch im Gesang.
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Mit diesem Bild einer möglichen Welt wird unsere ewige Aufgabe zugleich
unsere Überlebenschance: die Welt kennenzulernen, Unvertrautes vertraut zu
machen, zu bewahren und zu erinnern, Verständigung zu schaffen - auf dem
bewegten Wasser zu reisen wie in der bewegten Zeit - in menschlicher
Solidarität und mit gemeinsamem Ziel. Einen Ariadne-Faden für die
»labyrinthische Reise« an den
»mäandrischen Windungen des großen Stroms«
wünschen wir uns vom Eröffnungsgespräch mit Claudio Magris.
»Die Unvorhersehbarkeit des Reisens, das Gewirr, die
Verzweigungen der Wege, die Zufälligkeit der Aufenthalte, die
Ungewißheit des Abends, die Asymmetrie einer jeden Strecke
...«, wovon Magris schreibt zum Auftakt seiner Reise in den Raum
und in die Zeit, haben auch wir erfahren bei der Vorbereitung der
fünf Stationen unserer Donaureise, aber auch, daß der Fluß ein
alter Tao-Meister sei, »der das Ufer entlang seine Unterweisung
über das große Lebensrad und die Zwischenräume in seinen
Speichen erteilt.«
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Mit Claudio Magris als unserem Cicerone hoffen wir, es lasse sich an der
Donau, am europäischsten aller Flüsse entlang, eine Vorstellung vermitteln
von dem, wie man »in mehreren Völkern denken«
könne. Wir schließen damit an das Projekt EUROPA IM AUFBRUCH -
MENSCHEN · METROPOLEN · WANDERUNGEN von 1992/1993 an, nehmen
den Gedanken vom Europäischen Liederbuch wieder auf, versuchen uns
gleichsam in einer an die Donau verlegten BALLADE VOM FEST, geprägt
von Komponisten und Dichtern, die Grenzen überschreiten,
Schwellenängste überwinden und vermeintliche kulturelle
Distanzen zu Nachbarschaften im Geiste auflösen. Europäische
Vielfalt, hieß es damals im Programmheft zum Liederabend DIE BALLADE
VOM FEST ODER UNSER EUROPÄISCHES LIEDERBUCH DES JAHRHUNDERTS von
Mitsuko Shirai und Hartmut Höll, die europäische Vielfalt sei
nicht immer Miteinander und Harmonie, sondern auch Spiegel schmerzlicher,
verstörender Erfahrungen. In Liedern und Kammermusik, Gedichten,
Essays und Erzählungen versucht die Internationale Hugo-Wolf-Akademie
mit ihrem Publikum, einen Blick auf Nachbarschaften und
Auseinandersetzungen zu werfen, auf Austausch und Abgrenzung, auf
vorgefundene und erkämpfte Gemeinsamkeiten, auf willkürliche und
auf notwendige Distanzierungen, auf verschiedene Wurzeln und gemeinsame
Geschichte, auf gemeinsame Wurzeln und verschiedene Geschichte.
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Unsere fünf Stationen werden sich nicht nur wie in einem Bilderbogen
aneinanderreihen. Schon Hölderlins »melodischer Fluß
« war von ihm als Entwurf eines großen metaphorischen
Bogens gedacht, auf dem er weit nach Osten hinüber auf die
Mündung des Flusses in ein mediterranes Meer und wieder zurück
zur Quelle schaut, seinem, Hölderlins, und unserem Ausgangspunkt.
« Profunde und verborgene Sprache der Götter, Straße,
die Europa mit Asien verband, Deutschland mit Griechenland, auf der in
mythischen Zeiten die Poesie und das Wort gereist waren, um den Sinn des
Seins in das deutsche Abendland zu bringen«, wie Claudio Magris
schreibt. »Auf jeder Reise gibt es wenigstens ein Bruchstück
des Südens, Stunden der Entspannung, des Vergehens, des
Fließens der Wellen. Unbekümmert um die Waisen an ihrem Ufer
fließt die Donau ins Meer, der großen Überzeugung
zu.«
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